„Wir sind eine große Familie!“ Diesen Slogan predigt der Vorsitzende Jochen Haeffner nur allzu gerne. Gebetsmühlenartig und unermüdlich gibt er ihn bei jeder Gelegenheit zum Besten. Mit ausgebreiteten Armen scheint er dabei seine Gemeinde, pardon, seine Zuhörer salbungsvoll wie ein Wunderheiler zu segnen. Es fehlt nur noch, dass er dabei Weihwasser spritzt.
Aber seine Aussage trifft wirklich in zweierlei Hinsicht zu. Erstens meint Haeffner damit die persönliche Bindung innerhalb der Gemeinschaft. Es fühlt sich im Verein tatsächlich nach Familie an. Das merkt man an den Freundschaften, die mitunter jahrzehntelang währen. Doch seine Aussage kann durchaus auch in anderer Hinsicht so gedeutet werden, dass mehrere Kinder aus einer Familie dem Verein beitreten und die Treue halten. So gibt es bei Germania mit der Familie Magomadov gleich sage und schreibe vier Brüder, die dem Krefelder Klub angehören: Salah, Arbi, Abdurrahman und Abdullah. Es sind gleich vier hoch talentierte Brüder zwischen 11 und 17 Jahren, die alles gewinnen, was es zu gewinnen gibt. Das erinnert sehr an die italienische Familie Ingrassia, die in den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrtausends die NRW-Mattenwelt in den unteren Gewichtsklassen beherrschte. In der Krefelder Mannschaft wurden teilweise drei Brüder und zwei Cousins sowie ein Neffe dieser Familie gestellt. Hier konnte man jeweils schon im Vorfeld vier Punkte pro Ingrassia einplanen. Da war natürlich absehbar, dass man mit dieser Besetzung die Mannschaftskämpfe für sich entscheiden würde.
Ebenfalls drei Kinder weisen die Geschwisterpaare Nola, Niklas und Leon Cremer auf. Genau so viele sind es in der Familie Chopan mit den Geschwistern Selma, Ilyas und Yassin. Sie sind die Kinder von Ahmed Chopan, der vor Jahren ebenfalls in der Krefelder Mannschaft gerungen hatte.
Die Anzahl der Brüderpaare im Verein ist schon augenfällig. Und es tritt bei den Germanen so häufig auf, dass man ohne Übertreibung wohl von einem Rekord reden kann.
Da gibt es die seit Jahren schon erfolgreichen und in der ersten Mannschaft etablierten Brüder Ben und Phillip Haeffner, Amir und Ayoub Bolakhrif.
Aber in der zweiten Reihe drängen jetzt viele weitere jüngere Athleten ins höhere Niveau der ersten Mannschaft. Und wieder sind es vor allem Brüder, die gemeinsam aus verschiedenen Gewichtsklassen angreifen, um den Etablierten der ersten Mannschaft gehörig Druck zu machen und um hartnäckig von ihnen Platz einzufordern. Da sind Faramarz und Shahab Karimi, zwei 57-Kilokämpfer, Flüchtlinge aus Afghanistan, die schon letztes Jahr in der ersten und zweiten Mannschaft erfolgreich eingesetzt wurden.
Dann gibt es mit Mansur und Malik ein weiteres Magomadov-Brüderpaar, das letztes Jahr als Neuzugänge aus Köln-Mülheim zu uns gekommen war. Sie befinden sich allerdings schon im Erwachsenenalter und kämpfen in den höheren Gewichtsklassen 86 bis 98 Kilo sehr erfolgreich. Sie ist mit der anderen Magomadov-Familie mit den vier ringenden Kindern nicht verwandt.
An dieser Stelle möchte ich vor allem Mansur Magomadov würdigen, der taufrisch im April dieses Jahres die Bronzemedaille bei den deutschen U-20-Juniorenmeisterschaften in Hohenlimburg erringen konnte.
Des Weiteren gibt es das italienische Brüderpaar Giorgio und Giuliano Calcaterra. Giorgio Calcaterra wurde 2024 gar italienischer Meister in der B-Jugend. Er stieg unvermittelt in die italienische Nationalmannschaft auf und man bot ihm eine Stelle bei der italienischen Polizei an.
Bei den jüngeren Nachwuchs gibt es noch die Brüderpaare Boris und Roman Ahaibirov und Adrian und Maximilian Kessler. Zudem haben wir noch ein Schwesternpaar vorzuweisen: Lea und Zoe Schiller, die Töchter von Artur Schiller. Er hat selber noch vor zwanzig Jahren für die Germanen in der Oberliga gekämpft.
Auch auf die Gefahr hin, dass weitere Aufzählungen ermüden mögen, möchte ich es nicht versäumen, noch ein weiteres Brüderpaar vorzustellen: Eyup und Ziya Selahattin Yildirim. Die beiden Jugendlichen sind sehr ehrgeizige Ringer mit hohen Ambitionen. Eyup holte 2023 als B-Jugendlicher bei den Deutschen Meisterschaften gar den Vizemeistertitel.
Puh, das war es nun hoffentlich. Mir selbst war im Vorfeld gar nicht bewusst, wie viele verwandtschaftliche Verstrickungen es in dem Verein gibt, die Auflistung findet gar kein Ende. Man könnte abschließend sagen, Germania ist ein durch und durch familiär verfilztes Nest. Jochen Haeffner hingegen würde es so formulieren: „Wir sind eben eine große Familie!“ Wie recht er doch hat! Halleluja.

Die Magomadov-Brüder von links: Abdullah, Abdurrahman, Arbi und Salah

Die Ingassia-Familie 1987 von links: Marcel, Antonio, Domenico, Claudio, Luca und Domenico, der Onkel des „kleinen“ Domenicos
