Klaffende Lücke wird geschlossen: Hilal Türker kommt nach Krefeld!

Eine weitere Problemzone in der Krefelder Ringer-Mannschaft wird beseitigt. Und zwar die 59-Kilo-Frauenklasse, die die Germanen im letzten Jahr überhaupt nicht besetzen konnten. Mit diesem Missstand ist jetzt Schluss. Denn mit Hilal Emine Türker aus Köln-Mülheim konnte man ein Schnäppchen ergattern, das sich optimal in das Gefüge integriert.

Ich erhalte von Trainer Eric van Berkum die Kontaktdaten, um sie zu interviewen. Ich kenne sie nicht, ich weiß nicht mal, ob es ein männlicher oder weiblicher Athlet ist. Ich hatte im Vorfeld nur gesagt bekommen, dass es einige Neuzugänge gibt, die ich interviewen könne. Ich kann aus der Gewichtsklasse nur mutmaßen, dass es eine Frau sein könnte. Ich lasse mich einfach von dem Telefonanruf überraschen. Und bei dem, was ich am Telefon höre, scheint es sich um eine junge Frau zu handeln.

Ich stelle mich erst mal vor und frage das Übliche: Alter, Wohnort und ehemaliger Verein. Und weiter muss ich auch gar nicht mehr fragen, es entwickelt sich ein munteres Gespräch.

Sie sagt mir, dass sie 19 Jahre alt ist und in Köln Mülheim wohnt und ebenfalls dem Mühlheimer Verein angehörig war. Sie erzählt, sie kommt nach Krefeld, weil sie sich sportlich verbessern will. Und wen wundert’s, weil sie die unfassbar gute Stimmung von den Krefelder Kämpfen her kennt. Das hätte sich in der Szene bereits herumgesprochen, dass da Krefeld einsame Spitze ist. Sie hatte zuerst Kontakt zu Mert Simsek und Eric van Berkum, die sich beide bei den Deutschen Meisterschaften um sie gekümmert hätten, indem sie sie berieten. Hilal war beeindruckt von der Unterstützung und dem Interesse, das ihr die zwei Krefelder zeigten.

Sie ist mit 12 Jahren zu dem Sport gekommen, ein Bruder von ihr war Ringer.

Inzwischen trainiert sie jeden Tag. Montag, Mittwoch und Donnerstag nimmt sie am Kadertraining in Ueckerath teil, ansonsten geht sie zum Vereinstraining nach Mülheim oder nach Krefeld. Sie ist letztes Jahr in der Landesliga bei Köln Mülheim in der 59-Kilo-Klasse eingesetzt worden und hat sage und schreibe 92 Prozent ihrer Kämpfe gewonnen.

Dabei sah es bei ihr als junges Mädchen erstmal gar nicht gut aus für sie: Ihr Trainer, der für kurze Zeit bei Mühlheim war, sagte ihr, Ringen wäre kein Sport für sie. Sie solle lieber zur Leichtathletik zum Laufen wechseln, sie hätte zu lange Beine.

Sie war unglaublich gekränkt über diese Aussage. Aber sie ließ sich davon nicht abhalten. Sie zeigte Trotz. Und sie wollte es dem Trainer zeigen, dass er unrecht hatte. Und das hat sie im Verlauf ihrer Karriere eindrucksvoll bewiesen.

Ich brauche nicht viel zu sagen, denn die Informationen kommen begeistert aus ihr herausgesprudelt. Dass sie heiß ist auf diesen Sport und dass sie national angreifen möchte, sogar vom deutschen Meistertitel ist hier die Rede.

Selbst als sie eine schwere Krankheit hatte, ließ sie sich nicht vom Training abhalten. Trotz diesem gesundheitlichen Rückschlag kämpfte sie sich wieder zurück auf die Matte.

Für ihre Zeit in Köln-Mülheim ist Hilal dankbar, da sie dort ihre sportlichen Grundlagen erlernt hat. Gleichzeitig sieht sie den Wechsel nach Krefeld als wichtige Chance, sich sportlich und persönlich weiterzuentwickeln und freut sich darauf, künftig für Germania Krefeld auf die Matte zu gehen.

Es macht Spaß, mit ihr zu reden. Man merkt sie ist mit ganzem Herzen dabei. Denn in jedem Satz spürt man ihre Leidenschaft für den Sport, ihren Ehrgeiz und ihren Spaß dabei. Ich freue mich über ihren Enthusiasmus und lasse mich anstecken. Denn das kommt mir bekannt vor: Ich war ähnlich heiß auf diesen Sport. Auch wenn wir 40 Jahre auseinander sind und ich ihr Opa sein könnte, in dieser Hinsicht sind wir uns ähnlich. Auch wenn ich die kürzeren Beine haben sollte als sie! Ich freue mich schon auf unseren Neuzugang und bin gespannt, sie in echt zu sehen.

Und außerdem: Aline Focken hat auch lange Beine.

Veröffentlicht in Germania Krefeld.